Eine Weltanschauung und eine Insel der Lebenslust: das Wiener Kaffeehaus
Ein Reiseführer des Fin de Siècle nennt die Vielzahl der Wiener Kaffeehäuser - damals an die 800 - "orientalisch", denn keine andere Metropole Westeuropas hielt dem Vergleich stand. Weder in Paris noch London, sondern nur in Wien konnte sich aus einem Gastronomiebetrieb eine "Weltanschauung" (Alfred Polgar) entwickeln. Und hieraus wiederum eine eigene Literatur der geistreichen Anekdote ... Von den ersten Kaffee-Ausschänken an der Schlagbrücke über die Donau bis hin zu den luxuriösen Cafés der Monarchie, und über diese hinaus, durch Erste Republik, Nationalsozialismus und fünfziger Jahre bis heute: In Text und Bild beschreibt dieses Buch, das so faszinierende wie unverwüstliche Phänomen "Wiener Kaffeehaus".
Oft totgesagt, besitzt es einen langen Lebensatem, der es jung hält. Im Idealfall ist es ein leichtfüßig melancholischer Ort am Rand der vergehenden Zeit. Eine Insel im Verfließen des Tages. Oder auch eine Art lebendiges Gesamtkunstwerk, an dem Ober und Gäste teilhaben. Je nach Perspektive. Die sich natürlich ändert - mit jedem Kaffeehaus, das man betritt. In diesem Sinn kann das Buch zweifach gelesen werden: Einerseits als Einführung in Geschichte und Gegenwart einer eng mit Wien und der Mentalität der Wiener verbundenen Lokalität. Anderseits als Anregung, die vorgestellten Kaffeehäuser und ihre Atmosphäre selbst zu erforschen, bei einer Melange oder zwei.