Schwarz weiß Foto von Rainer Nowak

Sein Buch NATO statt Neutralität. Abschied von einer Illusion (ab 1.10. im Buchhandel) ist ein deutliches Plädoyer für den NATO-Beitritt Österreich: Rainer Nowak findet klare Worte für die heimische Neutralitätspolitik und erklärt im Interview, warum Österreich seiner Ansicht nach auf Kosten anderer lebt, weshalb er die viel beschworene Vermittlerrolle für überschätzt hält und warum selbst Donald Trump für ihn kein Argument gegen die NATO ist.

Sie nennen die österreichische Neutralität eine „Selbstlüge“. Wen belügt Österreich dabei eigentlich? Sich selbst, seine Bevölkerung oder seine europäischen Partner?

Vor allem sich selbst. Österreich tut so, als könnte es sich aus Europas Sicherheit heraushalten, während es selbstverständlich erwartet, dass andere diese Sicherheit garantieren. Unsere europäischen Partner durchschauen das längst. Nur wir feiern die Rechnung, die wir anderen schicken, noch immer als Staatsfeiertag.

Neutralität genießt in Österreich traditionell hohe Zustimmung. Ist Ihre Forderung politisch überhaupt realistisch oder schreiben Sie bewusst gegen eine Mehrheit an?

Natürlich schreibe ich gegen eine Mehrheit an. Sonst wäre es kein Buch von mir. Politisch realistisch wird ein NATO-Beitritt erst dann, wenn die Österreicher erkennen, dass Neutralität kein Schutzschild ist, sondern mehr ein Gefühl. Gefühle können sehr stabil sein – bis die Wirklichkeit aus dem Osten anklopft.

Befürworter der Neutralität würden sagen: Gerade weil Österreich keinem Militärbündnis angehört, kann es vermitteln. Halten Sie diese Rolle inzwischen für eine österreichische Selbstüberschätzung?

Österreich verwechselt Vermittlungsfähigkeit gern mit einem freien Tisch im Hotel Sacher. Vermitteln kann nur, wer von beiden Seiten ernst genommen wird und etwas anzubieten hat. Dass Wien geografisch günstig liegt und guten Kaffee serviert, macht uns noch nicht zur diplomatischen Weltmacht.

Sie machen Russlands Aggression zu einem zentralen Argument. Was passiert mit Ihrer These, wenn der Krieg gegen die Ukraine endet? Bleibt der NATO-Beitritt dann genauso notwendig?

Ein Friedensvertrag beendet einen Krieg, aber nicht automatisch die Bedrohung, die ihn möglich gemacht hat. Russland bleibt auch nach einem Ende der Kämpfe eine Atommacht mit imperialem Gedächtnis. Und die nächste Sicherheitskrise wird sich leider nicht vorher im österreichischen Parlament anmelden.

Was ist das stärkste Argument gegen einen NATO-Beitritt Österreichs – also jenes Argument Ihrer Gegner, bei dem Sie selbst ins Nachdenken kommen?

Donald Trump. Oder die Abhängigkeit von den USA. Ein Bündnis, dessen stärkstes Mitglied politisch unberechenbar werden kann, ist keine gemütliche Lebensversicherung. Nur: Außerhalb der NATO wären wir von derselben amerikanischen Macht abhängig – bloß ohne Mitspracherecht, ohne Beistandsgarantie und mit der österreichischen Spezialwaffe Hoffnung. Es ist auch möglich, dass es in wenigen Jahrzehnten eine NATO ohne den USA geben wird…

Cover des Buches "Nato statt Neutralität" von Rainer Nowak