In ihrem Buch Purpose wirkt beschäftigen sich Anita Tscherne und Michael Weiss mit Persönlichkeiten, die ihren Lebenssinn nicht nur gefunden haben, sondern daraus konkrete Projekte, Unternehmen und Initiativen entwickelt haben. Im Interview erklären die beiden Autoren, was sie unter echtem Purpose verstehen, warum Scheitern für Purpose-Pionier dazugehört – und weshalb Unternehmen ihrer Ansicht nach künftig stärker danach fragen müssen, wofür sie eigentlich da sind.
Purpose ist heute ein Modewort. Was verstehen Sie darunter und was ausdrücklich nicht?
Wenn Purpose an der Oberfläche hängen bleibt und vorrangig dem eigenen Vorteil nutzt, so ist es das, was wir in unserem Buch nicht unter Purpose meinen. Wir verstehen unter Purpose ausdrücklich eine überpersönliche Vision, die dem Gemeinwohl, den Menschen und dem Naturreich dient. Purpose-Pionier:innen finden darin ihren Lebenssinn, der sie zutiefst erfüllt. Sie entwickeln dadurch meist auch eine höhere Gesundheit, Resilienz, Beziehungsfähigkeit, größeres soziales Engagement mehr Lebensfreude.
Auf den Punkt gebracht könnte man es so ausdrücken: Unter Purpose verstehen wir den klaren Plan des „höheren Selbst“, welcher im Leben wirksam wird und ausdrücklich nicht eine persönliche, eigennützige Vision.
Sie porträtieren außergewöhnliche Persönlichkeiten. Nach welchen Kriterien haben Sie diese ausgewählt? Gab es einen gemeinsamen Nenner, den alle Purpose-Pionier:innen teilen?
Alle Purpose-Pionier:innen waren uns schon vorher bekannt und mit einigen stehen wir schon seit Jahrzehnten in Verbindung. Sie alle haben mehrere gemeinsame Eigenschaften: erstens, sie sind gereifte Persönlichkeiten, zweitens, sie denken wirklich systemisch, drittens ist die geistige Welt für sie Realität, viertens, sie sind mit großen Projekten schon gescheitert und haben daraus gelernt und fünftens, sie haben tatsächlich etwas Neues, Großes in die Welt gebracht, das dem Leben dient und damit bewiesen, dass sie mit Purpose umgehen können.
Darüber hinaus kommen unsere Purpose-Pionier:innen aus dem gesamten DACH-Raum inklusive Südtirol, aus unterschiedlichsten Branchen und Größenordnungen.
Was unterscheidet einen erfolgreichen Manager von einem Purpose-Pionier bzw. einer -Pionierin?
Klassische Manager arbeiten „linkshirnig“ mit etablierten Managementmethoden und sind der Überzeugung, dass sie auch in bewegten Zeiten alles bedenken, planen und entscheiden können. Sie folgen überwiegend branchenspezifischen Strategien und Zielen auf der materiellen Ebene und haben das Allgemeinwohl nicht primär im Blick. Purpose-Pionier:innen gehen einen Schritt weiter, sie denken holistisch, wissen um Natur- und Lebensgesetze und verbinden die materielle Ebene mit der geistigen Ebene. So entsteht erfolgreiche Pionierarbeit, die die Welt ein Stück besser macht.
Kann ein Unternehmen überhaupt einen Purpose haben oder haben nur Menschen einen?
Menschen haben einen Purpose, aber natürlicherweise hat auch ein Unternehmen – als eine Gemeinschaft von Menschen – einen Purpose. Die Summe der einzelnen Menschen mit ihrem Purpose ergeben den Unternehmens-Purpose. Ziel ist es, zu ermöglichen, dass die Mitarbeitenden ihren Purpose im Unternehmen leben können und nicht in die Freizeit verlagern müssen. Vielleicht hilft ein Bild aus der Physik: in den beiden Atomkernen eines Wasserstoffmoleküls ist die Information gespeichert, wie Wasserstoff zusammengesetzt sein muss. Rundherum richten sich die Protonen und Elektronen danach aus. Genauso ist es übertragbar in Unternehmen.
Welche Unternehmen werden in Zukunft erfolgreich sein und welche nicht mehr?
Hier müssen wir eine längerfristigere und weite Perspektive einnehmen. In Zukunft werden jene Unternehmen erfolgreich sein, die ihren Purpose kennen und leben, die den Purpose ihrer Mitarbeitenden ernst nehmen. Und weil sie dadurch strahlen, authentisch, kraftvoller und wirkungsvoller sind, gegenüber jenen Führungskräften und Unternehmer:innen, die diese Gesetzmäßigkeiten nicht erkennen. Purpose-driven Unternehmen werden von Evolutionskräften unterstützt, das macht sie erfolgreich!
