Leseprobe

Sehnsuchtsorte an der Adria - Portorož Die Rosenbucht der Benediktiner

Sehnsucht, ein Wort, das in der deutschen Sprache so unendlich viel transportiert und etwas in uns schwingen lässt, das schwer zu beschreiben ist. Ein Gefühl – und ich denke, Sie stimmen mit mir überein, da Sie dieses Buch in Händen halten –, das man verspürt, wenn man an die berühmten Orte der Oberen Adria denkt, die auf den kommenden Seiten Hauptdarsteller sein werden.
Dieses Buch führt nach Grado und Triest, nach Piran und Portorož, nach Pula und Opatija – sechs Orte am Meer, die eines gemeinsam haben: Sie waren einst die berühmtesten Reiseziele des Österreichischen Küstenlandes.

Portorož
Die Rosenbucht der Benediktiner

 

Einwohner: ca. 2.850
Größe: 2,97 km2
Lage: Direkt an der Küste nur 4 km von Piran entfernt
Koordinaten:
45° 31′ N, 13° 36′ O
Sprachen: Slowenisch und Italienisch
Information:
Turistično informacijski center
Portorož, Obala 16, 6320 Portorož,
Tel. +386 5 674 22 20, www.portoroz.si/de

 

Portorož, der 4 Kilometer von Piran entfernt liegende Nachbarort, hat ein gänzlich anderes Gesicht als das verzaubernde Schwesterstädtchen. Während in Piran der Handel aufblühte und sich die Salzschiffe im Hafen drängelten, ging es in Portorož viel geruhsamer zu. Hier widmete man sich schon früh der Religion und erforschte die Heilkräfte des Salzes. Es waren die Benediktinermönche, die 1251 hierherkamen und dem reizvollen Ort am Meer mit einer ihrer Kirchen seinen Namen gaben: „Portus sanctae Mariae de Rosae“ – „Hafen der heiligen Maria der Rose“. Zwar verliert sich die Spur dieser namensgebenden Kirche um 1700, doch der romantische Name „Portorose“ (zunächst im Italienischen) blieb erhalten und der kleine Ort entwickelte sich, auch wegen seiner Nähe zu Triest, im 19. Jahrhundert zu einem der führenden und elegantesten Kurorte der k. u. k. Monarchie. Heute zeigt Portorož, wie es auf Slowenisch heißt, vor allem ein Stadtbild aus den 1960er- und 1970er-Jahren und man muss sich eher nachsichtig auf die Spuren der k. u. k. Zeit begeben.

Portorožs Geschichte

Die Geschichte des „Rosenhafens“ ist eindeutig christlich dominiert. Die Benediktiner trieben mit ihren vier Klöstern die Urbanisierung der Region voran und nutzten bereits um 1300 die Heilkraft des Salzwassers und des Salinenschlamms, um Krankheiten wie Rheuma, Wassersucht und Leberprobleme zu lindern. 
Für zusätzliche Starthilfe sorgte ein weiterer Kleriker, der umtriebige Franziskaner Giovanni da Capistrano, der 1451 auf seinem Feldzug gegen die Türken hier Station machte und ein Kloster gründete, das er Bernhardin von Siena weihte. Dieses Kloster war knapp vier Jahrhunderte am Aufbau der Region beteiligt, bis es 1806 aufgelöst und von der österreichischen Armee als Verteidigungsfestung genutzt wurde.
Die Salzproduktion der angrenzenden Salinen war der Motor des Kurund Gesundheitstourismus, der begann, als Istrien mit dem Frieden von Campo Formio 1797 an Österreich fiel. Die Villa San Lorenzo, 1840 auf den Resten des einstigen Klosters des heiligen Laurentius erbaut, nahm bereits ab 1860 Kurgäste auf und gehörte ab 1901 der Piraner Kurbadgesellschaft, die auch das erste „Casino des Étrangers“ hier eröffnete, das wohlhabende Gäste anzog. Das erste Strandbad wurde 1869 vom Triestiner Kaufmann Giuseppe Stölker unterhalb der Villa eröffnet.
Leider ist die Villa San Lorenzo heute nicht mehr erhalten, ihr ehemaliger Standort jedoch beinahe aus ganz Portorož auszumachen. Das architektonisch kaum ansprechende Hotel Metropol mit seinem Casino steht heute an ihrer Stelle. Und das ist auch ein wenig der Fluch des Ortes, der heute unter seiner fehlenden mediterranen Architektur leidet: einerseits ein „Vermächtnis“ des Zweiten Weltkriegs, in dem viele historische Gebäude zerstört oder in Soldatenheime umfunktioniert wurden, andererseits der weiteren touristischen Entwicklung des Ortes unter jugoslawischer Führung. In dieser Zeit konzipierte der in Triest geborene Architekt Edo Mihevc (1911–1985) die vierspurige Uferstraße, der einige der noch erhaltenen schönen Hotels und Villen zum Opfer fielen, und er errichtete Hotelbauten wie das Grand Bernardin oder eben das Metropol, die aus heutiger Sicht problemlos als Bausünden bezeichnet werden können.

Kempinski Palace Hotel

Am 20. August 1910 eröffnete das von den Kurgästen bereits sehnsüchtig erwartete „Palace Cur Hotel“, ein Grandhotel, das hinsichtlich Ausstattung und technischer Standards ein absolutes Prestigeprojekt seiner Zeit war. Geplant und erbaut wurde es von dem 1827 in Triest geborenen Architekten Giovanni Eustacchio.
Das eindrucksvolle Gebäude mit seiner Fassade im Historismus mit Stilelementen der Wiener Secession und der Neorenaissance dominiert die breite Uferstraße und ist heute zweifellos der architektonische Lichtblick in Portorož.
Der damalige Hoteleingang lag auf der Seite des Hauses, in dem heute das Restaurant „Sophia“ untergebracht ist, benannt nach Sophia Loren, die als Kind mit ihren Eltern regelmäßig Urlaub im „Palace“ machte. Die Gäste wurden elegant mit dunkel getäfeltem Holz und mit Rauten verzierten Marmorsäulen empfangen, die den Raum auflockern sollten. Ein großer offener Kamin sorgte in der kühleren Jahreszeit für stilvolle Wärme. Er ist zwar heute noch erhalten, wird aber aus sicherheitstechnischen Gründen (leider) nicht mehr als offene Feuerstelle betrieben. Das Bild über dem Kamin wurde eigens für das Hotel angefertigt und sei, so versichert man, über all die Jahre an seinem Platz verblieben, selbst als das Hotel geschlossen war. Das Gourmetrestaurant Sophia bietet einen eindrucksvollen Blick auf die exquisite Ausstattung des früheren Hotels – und auch die heutige Speisekarte lohnt den Besuch.
Zur Zeit der Monarchie wurden die Mahlzeiten im eindrucksvollen Kristallsaal mit eleganter weiß-goldener Ornamentik im Secessionsstil eingenommen. Er ist heute stilvoll restauriert und mit seinen teilweise original erhaltenen Kristalllustern wieder ganz dem früheren Glanz verpflichtet. Mit viel Liebe wurden auch Details wie die kleine Orchesterbühne erhalten, von der früher das hauseigene Orchester für die musikalische Untermalung des Diners sorgte.
Links und rechts neben dem Kristallsaal befinden sich nach wie vor der Salon für die Damen in helleren und der Salon für die Herren in gedeckten Farben, in die man sich früher nach dem Diner getrennt zurückzog. Heute werden die Räume natürlich nach Belieben benutzt. Es ist etwas Besonderes, dass diese beiden Aufenthaltsräume in ihrer ursprünglichen Form auch nach dem Umbau erhalten wurden, denn aus Platzgründen werden sie heute in den meisten historischen Hotels eingespart.
Auch wenn es heute fünf Aufzüge im Hotel gibt, werfen Sie trotzdem einen Blick in das Treppenhaus mit seinen original erhalten Bleifenstern, die den heiligen Georg, den Schutzpatron Portorožs, darstellen. Das Treppenhaus zeigt auch, warum sich die Präsidentensuite, die in modernen Bauten immer ganz oben untergebracht ist, im ersten Stock befindet. Kein Erzherzog und keine Prinzessin hätten damals fünf Stockwerke zu ihrem Zimmer hinaufsteigen wollen, dies blieb den Dienstboten vorbehalten.
Während das Hotel 1910 mit 98 Zimmern eröffnet hat, verfügt es heute, trotz des Anbaus, nur über 20 Zimmer mehr. Dies erklärt sich durch internationale Standards in Ausstattung und Zimmergröße, die für eine Fünfsternekategorie einzuhalten sind, und ist eben der Tatsache geschuldet, dass 1910 die Gästezimmer wesentlich kleiner und meist ohne Bäder angelegt waren. Bereits zur Eröffnung hatte das Palace eine balneotherapeutische Therme und ein mit Meerwasser gefülltes Hallenbad, ein Luxus, der sich heute mit einem ansprechenden Spa sowie Indoor- bzw. Outdoorpool fortsetzt ...

Kempinski Palace Hotel, Obala 45, 6320 Portorož
Tel. +386 5 692 70 00, www.kempinski.com

  • Britta Ramhapp
  • Sehnsuchtsorte an der Adria
  • Grado – Triest – Piran – Portorož – Pula – Opatija
€ 23,00
Franz. Broschur
14,5 x 20,5 cm; 192 Seiten
ISBN 978-3-222-13586-6
Erscheinungstermin: 26/03/2018
Sofort lieferbar

Reisen mit k. u. k. Flair

Auf den Spuren des frühen Tourismus begeben wir uns an die Obere Adria. Dieses Buch erzählt von Anfang und Hochblüte der berühmten Reiseziele, von Glanz und Gloria der eleganten Grandhotels – und es berichtet, was aus ihnen geworden ist! Die k. u. k. Monarchie hat überall ihre Zeugnisse hinterlassen: Romantische Spaziergänge verführen zum Blick auch auf versteckte Kleinode und zeigen, wo man heute noch das Flair von einst genießen kann.

• Geschichte und Gegenwart der Grandhotels und Adriaorte
• Fakten, Hintergründe und persönliche Anekdoten
• Aktuelle Tipps zu Cafés, Restaurants, Hotels, Stränden und mehr

Britta Ramhapp, geb. 1964 in Limburg (D), Marketingfachfrau, lebt in Österreich. Sie verbrachte zwei Jahre in der Hafenstadt Triest und entdeckte dabei ihre Liebe zum ehemaligen „Küstenland“. Seither bereist sie die Region stets auf der Suche nach erzählenswerter Geschichte, landschaftlichen Highlights, aber auch den neuesten Hotspots.

Blick ins Buch

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Sehnsuchtsorte an der Adria

€ 23,00
Franz. Broschur
14,5 x 20,5 cm; 192 Seiten
ISBN 978-3-222-13586-6
Erscheinungstermin: 26/03/2018
Sofort lieferbar
9783222135866 - Sehnsuchtsorte an der Adria
9783222135866 - Sehnsuchtsorte an der Adria
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